Soziale Innovation

Soziale Innovationen beschreiten neue Wege, um gesellschaftliche Probleme oder Bedürfnisse besser zu lösen bzw. zu befriedigen, als dies bisherige Ansätze können. Sie gestalten den sozialen Wandel und sind als Prozess zu verstehen. Neue Lösungswege oder Angebote benötigen soziale Akzeptanz, um einen Grad der Verbreitung zu erreichen, der sie auch gesellschaftlich wirksam werden lässt. Erst mit diesem Grad der Verbreitung und Wirkung kann von sozialer Innovation gesprochen werden.

Die Europäische Union setzt sich in der Europa 2020-Strategie u. a. das Ziel, soziale Innovationen zu fördern, um Armut zu bekämpfen und Beschäftigung zu schaffen. 2011 hat die EU die Initiative für soziales Unternehmertum verabschiedet. Diese legt 12 Schlüsselmaßnahmen fest zur Stärkung des Zugangs zu Finanzmitteln sowie zur Verbesserung des rechtlichen Rahmens und der Sichtbarkeit. Ziel ist es, das Wachstumspotential dieses Sektors gerade auch in Zeiten der Krise optimal auszuschöpfen.

Über das Programm für Beschäftigung und soziale Innovationen (EaSI) und den Europäischen Fonds für soziales Unternehmertum (EuSEF) versucht die Europäische Kommission, sozialen Unternehmen den Zugang zu Finanzierungsmitteln konkret zu erleichtern. Auch hat die Kommission eine Expertengruppe für das soziale Unternehmertum (GECES) einberufen, die sich 2015 neu aufgestellt hat. Die vier Arbeitsgruppen befassen sich mit Finanzierung, Sichtbarkeit, Rechtssicherheit und den Diffusionsmöglichkeiten außerhalb des EU-Kontextes. Aktuell führt die Kommission eine öffentliche Konsultation zur Halbzeitbewertung des Programms EaSI durch.

Das Thema soziale Innovation wird innerhalb der Europäische Union oftmals verbunden mit dem sozialen Unternehmertum, d. h. mit den Akteuren, die soziale Innovationen umsetzen. Die Debatte dazu ist sehr lebhaft und aufgrund der europaweiten Unterschiede der Strukturen oftmals unübersichtlich. Es wird dabei u. a. auch über Wirkungsmessung und Skalierung, d. h. die (geografische) Verbreitung, diskutiert. Diese Debatten haben potentiell Auswirkungen auf die Gestaltung der sozialen Dienste in den europäischen Mitgliedstaaten. Auch bleibt darauf hinzuweisen, dass im europäischen Ausland die Bedeutung von „social“ oft mit „gesellschaftlich“ weiter gefasst ist als in Deutschland. Der Begriff umfasst dann z. B. auch ökologische Innovationen oder Fair Trade. Die Arbeit der Beobachtungsstelle setzt sich mit diesen Fragen auseinander und erarbeitet europäisch vergleichende Analysen.