Neue Themen - Politiken für ältere Menschen

Durch die vergleichende Analyse der Rechercheergebnisse vom Mai 2011 in Dänemark, Frankreich, Finnland, den Niederlanden, Österreich, Spanien, Tschechischen Republik und im Vereinigten Königreich werden die häufig diskutierten Themen deutlich. Im Zeitraum von Januar 2011 bis Mai 2011 wurden insbesondere die Themen Pflege, Demenz, Aktives Altern aber auch das Thema Freiwilliges Engagement älterer Menschen verstärkt in den Ländern aufgegriffen.


Freiwilliges Engagement älterer Menschen

Betrachtet man den Bereich des Freiwilligenengagements älterer Menschen, so fallen in den untersuchten Mitgliedsstaaten hierunter Maßnahmen zur Förderung professioneller Strukturen im Freiwilligenmanagement und zur Vernetzung bestehender Projekte (Österreich), das Bereitstellen öffentlicher Fördergelder für Freiwilligenprojekte (Vereinigtes Königreich) sowie das Verfassen bzw. die Umsetzung von Strategiepapieren zur Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements (Niederlande, Tschechische Republik) oder das Schaffen von Öffentlichkeit, etwa durch das Veranstalten von Konferenzen (Spanien).

In Österreich lief zwischen 2008 und 2010 das Modellprojekt „GEMA – Gemeinsam aktiv“. In Zusammenarbeit mit dem Sozialressort des Bundeslandes Oberösterreich wurden professionelle Strukturen des Freiwilligenmanagements zur Gewinnung, Beratung, Vermittlung und Begleitung von Freiwilligen erprobt. Ziel des Projekts war es, die Freiwilligenarbeit aufzuwerten und zu stärken. Mit dem Modellprojekt sollte ein Referenzmodell geschaffen werden, das nach erfolgter Evaluierung in ganz Österreich umgesetzt werden kann. Zudem wurden Maßnahmen zur Errichtung professioneller Strukturen des Freiwilligenmanagements erprobt. Dazu wurde ein unabhängiges Landesfreiwilligenzentrum (ULF) in Linz eingerichtet, das Qualifizierungsmaßnahmen für Freiwillige und Freiwilligenbegleiter/innen erarbeitet und bereits bestehende Freiwilligenprojekte, auch für ältere Menschen, vernetzt. Für die Projektlaufzeit wurden insgesamt 20 Modellprojekte ausgewählt, die über zwei Jahre (bis Ende 2010) durch das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und das Sozialressort des Landes Oberösterreich gefördert und vom ULF in Linz begleitet wurden. Die in diesem Zeitraum angestoßenen Projekte laufen aktuell noch. Unklar ist, ob, wie lange und in welchem finanziellen Umfang eine neue Förderperiode bewilligt wird. 

Im Vereinigten Königreich werden Fördergelder für verschiedene Projekte zur Verfügung gestellt. Im Rahmen der Pflegereform sind drei Millionen Pfund vorgesehen, um das Freiwilligenengagement in diesem Bereich zu beleben. Zusätzlich wurde im Februar 2011 vom Ministerium ein neuer Fonds für den Freiwilligensektor (Reaching Out to Carers Innovation Fund) aufgelegt, mit dem die ehrenamtliche Unterstützung pflegender Angehöriger gefördert werden soll.

In den Niederlanden und in der Tschechischen Republik liegen Strategiepapiere vor, die die Förderung des Freiwilligenengagements zum Ziel haben. Das Strategiepapier der niederländischen Regierung im Bereich informelle Pflege und Bürgerschaftliches Engagement (2008 - 2011) zielt v.a. auf eine Erhöhung der kommunalen Unterstützung für informell Pflegende ab. Die tschechische Strategie „Nationaler Aktionsplan zur Vorbereitung auf die Alterung 2008-2012“ umfasst u.a. das Ziel der Förderung der sozialen Teilhabe und Partizipation Älterer in Bildung, Kultur und Gesellschaft. In Spanien wurde eine Konferenz mit dem Titel „Tag der Partizipation, des Freiwilligenengagements und des Aktiven Alterns (JORNADA DE DEBATE: Participación y voluntariado de las personas mayores y envejecimiento activo) organisiert. Im Vordergrund standen dabei das Weißbuch zum Aktiven Altern und die spanische Engagement-Strategie „Estrategia Estatal del Voluntariado 2010-2014“. Des Weiteren wurde die Frage nach den passenden Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement Älterer erörtert.

 

Einsatz digitaler Kommunikationstechnologien

Ein weiteres Thema in einigen Mitgliedsstaaten ist der Ausbau digitaler Kommunikationstechnologien. Mit Hilfe der neuen Technologien soll die Lebensqualität von älteren Menschen gesteigert werden.

In Dänemark sollen beispielsweise durch den verstärkten Einsatz von Technologien Qualitätsverbesserungen im sozialen Bereich erzielt werden. Bei dem dänischen Projekt „MedCom“ arbeiten Behörden und Akteure des privaten Sektors bei der Entwicklung, Erprobung, Einführung und Qualitätssicherung von elektronischen Kommunikations- und Informationstechnologien zusammen. Es wurde eine eigene Website eingerichtet, auf der die aktuellen Projekte nachverfolgt werden können.
Zudem werden im Zeitraum 2009 bis 2015 drei Milliarden Kronen vom dänischen Sozialministerium für die Erprobung, Finanzierung und Implementierung von neuen Arbeits- und Organisationsformen im sozialen Bereich bereitgestellt. Ziel ist es, durch den Einsatz von Technologien zeitliche Entlastung und bessere Arbeitsbedingungen für Angestellte im sozialen Bereich sowie eine bessere Qualität der Dienste für Bürger/innen zu bewirken.

Im Rahmen der britischenCarers Strategy“ soll ebenfalls der Einsatz von Technologien (telecare/telehealth) gefördert werden. Der Einsatz von Technologien soll Pflegende bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf unterstützen, indem beispielweise die Anzahl der Routineuntersuchungen reduziert werden und das häusliche Umfeld der Erkrankten sicherer gestaltet wird. Das britische Gesundheitsministerium hat ein wissenschaftlich begleitetes Projekt (mit mehr als 6000 Personen, darunter 470 Pflegenden) in diesem Bereich durchgeführt, das eine Evaluation der Effekte des Einsatzes von Technologien in der Pflege von Menschen mit langfristigen Erkrankungen zum Ziel hat.
Weitere Informationen zur britischen „Carers Strategy“ finden Sie hier.


Nach wie vor ist die Frage nach der zukünftigen Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme bei stetig steigenden altersbezogenen Ausgaben, eine wichtige Triebfeder für Reformen und nationale Debatten:

Reformen der Ruhestandsregelungen und Anreize für längere Verweildauer im Erwerbsleben

Beispielsweise wurde in Spanien das gesetzliche Renteneintrittsalter Ende Januar 2011 auf 67 Jahre erhöht. Auch in Dänemark soll das Renteneintrittsalter in einem ersten Schritt von 65 Jahren auf 67 Jahre erhöht werden und könnte – durch die Kopplung an die durchschnittliche Lebenserwartung – langfristig auf 74 Jahre steigen. Des Weiteren soll die Möglichkeit zur Frühpensionierung in den nächsten Jahren auslaufen. Auch in der Tschechischen Republik sollen Vorruhestandsregelungen abgeschafft werden. Im Zuge der tschechischen Rentenreform ist zudem das Einrichten eines freiwilligen Rentenfonds vorgesehen. Im Vereinigten Königreich wird das Renteneintrittsalter für Frauen und Männer bis 2020 auf 66 Jahre erhöht werden. Das Auslaufen der britischen Regelarbeitsgrenze ist bis Oktober 2011 vorgesehen. Der entsprechende Gesetzesvorschlag wurde im Februar 2011 eingebracht. Im März wurde eine Reform des Rentenregimes im öffentlichen Sektor vorgeschlagen. In Frankreich wurde das Gesetz zur Rentenreform bereits im November 2010 verabschiedet. Das Renteneintrittsalter soll bis 2018 auf 62 Jahre angehoben werden. Es wurde nun eine eigene Webseite eingerichtet, die über die Neuerungen der Rentenreform informiert. Auch in den Niederlanden soll das Renteneintrittsalter bis 2020 auf 66 Jahre erhöht werden.
Neben der Rentenreform wird im Vereinigten Königreich derzeit das Sozialleistungs- und Steuersystem überarbeitet, um Anreize zu einer größeren Erwerbsbeteiligung aller Altersgruppen zu schaffen. Gezielte Eingliederungshilfen speziell für ältere Menschen sollen im Laufe des Jahres 2011 aufgelegt werden.
Weitere Informationen zur „Wohlfahrtsreform“ im Vereinigten Königreich finden sie hier.


In Frankreich wurde im Februar 2011 eine nationale Debatte über Pflegebedürftigkeit und die Zukunft der Pflege initiiert. Sie ist insgesamt für sechs Monate angesetzt. Zur Vorbereitung der Debatte wurden interministerielle Arbeitsgruppen zu den Themen „Gesellschaft und Altern“ (société et vieillissement), „demografische und finanzielle Herausforderungen der Pflege“ (enjeux démographiques et financiers de la dépendance), „Unterbringung und Betreuung älterer Menschen“ (accueil et accompagnement des personnes agées) sowie „Strategie zur Deckung der Kosten pflegebedürftiger Älterer“ (stratégie pour la couverture de la dépendance des personnes agées) eingerichtet. Ende Januar 2011 wurde auch eine Webseite zur laufenden Debatte freigeschaltet, auf der die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und der regionalen Konferenzen, die landesweit stattfinden, eingesehen werden können. Im Juni 2011 haben die Arbeitsgruppen schließlich ihre Abschlussberichte vorgelegt.